Federlinge und Co

29. Juli 2017 - Außenhaltung hat auf jeden Fall auch ihre Schattenseiten!! Zum Beispiel der direkte Kontakt zu Wildvögeln, bzw. deren Kot, wenn sie es sich auf dem Dach der Voliere gemütlich machen oder auf den Ästen eines Baumes sitzen, der in unmittelbarer Nähe zur Voliere steht. Sie kann allerlei Klein- bzw. Kleinstgetieren wie Federlingen, Federspulmilben, Federbalgmilben, Grabmilben, Luftsackmilben, roter Vogelmilbe, Federmilben, der Futtermilbe und Co die Tore öffnen.

 

 

Die Federmilben gehören zu den Ektoparasiten. Als Mensch braucht man keine Angst zu haben, dass die Tierchen sich auch auf unseren Körpern wohl fühlen.

 

Die Eier kleben ungefähr 1 - 2 Wochen lang unscheinbar und ordentlich an den größeren Federn der Vögel und warten auf das große Schlüpfen, um sich danach als Larve vermutlich von Hautschuppen und Federteilen zu ernähren (siehe Foto auf der linken Seite).

 

Die Entwicklung von der Larve bis zum ausgewachsenen Federling dauert nochmals 4 - 5 Wochen. Liegt ein starker Befall vor, wundert man sich zunächst über das löchrige, zerfaserte Federkleid seines Wellensittichs. Unbehandelt kann der Vogel dann immer schlechter fliegen oder irgendwann gar nicht mehr.

 

 

 

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Bei der Untersuchung des betroffenen Vogels kann man auf der Unterseite der großen Schwungfedern eventuell Spuren von Eiern in den Federn entdecken und  sollte sofort handeln, indem man äußerst vorsichtig in den Nacken ein Kontaktgift, z. B. Frontline, mit dem Wirkstoff Fipronil aus der Phenylpyrazole Gruppe tupft. Dieses Gift verbindet sich übrigens mit dem Hautfett und wird in den Haarbalgdrüsen eingelagert. Dadurch wirkt es über einen längeren Zeitraum. Es sind noch Ivomec mit dem Wirkstoff Ivermectin und Stronghold mit dem Wirkstoff Selamectin zu nennen, welche auch mittels Spot-On Behandlung kurz in den Nacken des zu behandelnden Vogels getupft werden. Diese Produkte können allerdings bei zu hoher Dosierung toxisch wirken und somit zum Tod des zu behandelnden Vogels führen. Es versteht sich von selbst, daß man somit sehr vorsichtig und sorgfältig bei der Behandlung sein sollte. Ich ziehe mir dabei übrigens Schutzhandschuhe an, damit das Gift nicht über meine Hände in meinen Körper gelangt.

 

Es gibt auch noch Verminex, welches frei sein soll von toxischen Insektiziden, Lösungsmitteln und anderen bedenklichen Stoffen. Relativ neu ist von ARDAP Spot-On mit dem Wirkstoff "Pyrethrum" aus der Chrysantheme. Hier genügt eine einmalige Gabe, die bis zu 4 Wochen vor dem erneuten Befall schützen soll.

 

Bei allen genannten Produkten (bis auf ARDAP Spot-On) sollte man den Vorgang nach ungefähr 10 - 14 Tagen wiederholen, da aus den noch vorhandenen Eiern mittlerweile wiederum Federlinge und Co geschlüft sein könnten. Es ist ganz wichtig, dass man einen Bereich der Haut im Nacken trifft, den der Vogel dort mit seinem Schnabel nicht erreichen kann, sodaß der behandelte Vogel diese Stelle nicht berühren kann, solange sie feucht und das Kontaktgift noch nicht eingezogen ist.   

 

Wichtig: Alle Mittel, die per Spot-On Methode in den Nacken der Vögel mittels Spray aufgetragen werden, sollten NICHT direkt auf den Vogel gesprüht werden, sondern zunächst auf ein Wattestäbchen oder Ähnliches und dann sorgfältig und in Ruhe in den Nacken getupft werden. Das beim Sprühen entstehende Aerosol könnte in die Atemwege der Wellensittiche gelangen und diese schädigen.

 

Federlinge oder diese Krabbeltiere im Allgemeinen springen gerne von einem Vogel auf den nächsten und aus diesem Grund sollte man alle gleich mitbehandeln.  Ich habe heute 7 meiner Wellensittiche einzeln geschnappt und ihnen ein Tröpfchen Frontline in den Nacken getropft. Ich hatte zwar keine Federlinge oder dergl. entdeckt, jedoch sind meine Wellensittiche ja täglich draußen, da sie in einer Außenvoliere leben und kommen sicherlich auch mal mit dem einen oder anderen Wildvogel in Kontakt. In 10 - 14 Tagen werde ich die Prozedur wiederholen und dann haben sie erst einmal wieder Ruhe vor mir und hoffentlich vor lästigen Parasiten.

Sam und auch Picasso haben sich heute dabei ganz furchtbar angestellt. Ich fange meine Wellis immer mit dem Netz ein, da das schneller geht und der Schrecken dann kürzer ist für alle. Aber bei Sam dachte ich heute während der Fangaktion, daß es nun vorbei mit ihm ist. Er lag wie erstarrt im Netz, mit weit aufgerissenen Augen und hatte die Flügel so seltsam abgespreizt..... Der Schnabel verhakte sich im Netz und auch die Füßchen wirkten wie im Netz verfangen. Er hatte so etwas wie ein Schockstarre. Ich träufelte kurz mein Tröpfchen in den Nacken und setzte das fast "leblose" Vögelchen behutsam ab, welches sofort wieder aus seiner Schreckstarre erwachte und  nicht mehr gesehen wurde. Nun sitzen alle 8 Kostbarkeiten wieder munter auf einem Ast und zwitschern vor sich hin, als wäre nie etwas passiert. Sobald ich allerdings in die Voliere komme, werde ich sorgfältig beäugt und man sieht förmlich die Gedanken und Ängste rattern. Heute werde ich alle in Ruhe lassen, nur immer wieder überprüfen, ob auch wirklich alles i. O. ist.
In den nächsten 2 Wochen werde ich täglich den Boden des Schutzhauses und des Außenbereichs säubern, um eine besonders hygienische Atmosphäre zu schaffen, obwohl die Tierchen nur auf ihren Wirtstierchen überleben können.... so heißt es.

08. August 2017 -  Nymphi hatte ich am 29. Juli 2017 nicht mit Frontline beträufelt, da er sich ganz fürchterlich aufregte und steif im Netz lag. Ich ließ ihn voller Schrecken sofort wieder frei, noch bevor ich ihn spotten konnte. Mauserbedingt fand ich ein paar Tage später Federn von ihm auf dem Boden des Schutzraumes, die ich genauer untersuchte und fand Fraßspuren von Milben auf ihnen. Aus diesem Grund habe ich ihn am gestrigen Tag doch behandelt. Ich fühlte mich nicht gut dabei, da er mich immer wieder mit seinen sprechenden Augen ansah und so zu verstehen gab, dass es ihm ganz und gar nicht gefiel. Leider kann man den Kleinen nicht erklären, warum dieses Einfangen so notwendig für sie ist.

Nachtrag: 17. August 2017 - Heute hat Nymphi seine Nachspottung durch Frontline in den Nacken erhalten. Dazu musste ich ihn natürlich per Kescher einfangen und alle anderen Wellis waren auch "unter Strom". Man befürchtete in dem ungeliebten weißen Ding zu landen. Da ich leider mittlerweile oder auch zum Glück Routine habe im Einfangen, klappte alles relativ zügig. Dieses Mal setzte ich Nymphi in eine kleine Transportbox und wog ihn: 49 g schwer ist er und das ist wunderbar, denn im Februar 2016 wog ich ihn das letzte Mal, als meine Kostbarkeiten in unser Haus ziehen mussten, da ihre Aussenvoliere grundrenoviert wurde und da hatte er das gleiche Gewicht. Als er nach der Spottung wieder entlassen wurde in den Freiflug warf er mir noch einen verletzten, ungläubigen Blick zu, ganz so, als hätte er mir niemals zugetraut, dass ich ihm so etwas entwürdigendes antun könnte und verschwand auf die höchste für ihn erreichbare Stelle.

 

Nun haben meine Kostbarkeiten erst einmal wieder Ruhe vor meinem Kescher und der Fangerei. Hoffentlich sind alle Milben und Co erfasst. Ich behalte es auf jeden Fall im Auge und im Fokus meiner Kamera.

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2016
Gandalf (Neuaufnahme am 20.04.) wurde erstmals beim Einzug am 20.04. und 04.05. gespottet.
2017
Spot-On Behandlung

Emily, Lotte, Lilly,

Picasso, Gandalf, Sam, Angelo

29. Juli

Nymphi 07. August
  08. August   17. August
Mein dringender Rat:

Sobald ihr euch wundert über das veränderte Verhalten oder Aussehen eures Wellensittichs, sucht bitte unverzüglich einen vogelkundigen Tierarzt auf, um die Unklarheiten abzuklären und dem Vogel damit eventuell sogar das Leben zu retten.

Nun kann man sich fragen: Warum sollte der Tierarzt vogelkundig sein, und was bedeutet das überhaupt? Das bedeutet, dass der Tierarzt zusätzlich zu seinem Studium der Veterinärmedizin eine Weiterbildung zur Erlangung der Zusatzbezeichnung zum Fachtierarzt für Zier-, Zoo- und Wildvögel absolviert hat und somit aus einem breiteren, spezielleren Wissens- und Erfahrungsschatz schöpfen kann, um dem geliebten Vogel zu helfen. Er bietet durch seine Spezialisierung gezieltere Untersuchungsmethoden an, als ein Allgemeinmediziner. Sicherlich gibt es nicht überall einen auf Vögel spezialisierten Fachtierarzt und häufig muss man große Strecken zurücklegen, um einen zu finden.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es sich wirklich lohnt, einen Fachtierarzt aufzusuchen. Um es vereinfacht zu erklären, gehe ich ja mit Zahnschmerzen auch zu einem Zahnarzt und nicht zum praktischen Arzt. Natürlich hat auch die Behandlung eines Fachtierarztes ihre Grenzen und auch er schafft nicht immer, zur Gesundung des Tieres erfolgreich beizutragen wie man aus den Krankengeschichten meiner Wellensittiche leider erkennen kann. Trotzdem fühle ich mich dort mit meinen Vögeln besser aufgehoben.

Mit viel Glück und rechtzeitigen Kümmerns BEVOR der Vogel erkrankt, findet man eventuell auch einen allgemeinen Tiermediziner, der sich mit diesen zarten Wesen auskennt.